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Die "Black Friday" Story - woher kommt der Hype?

Die "Black Friday" Story - woher kommt der Hype?

Jedes Jahr ist es in den gesamten Vereinigten Staaten das gleiche Bild. Nach Thanksgiving wird der vierte Freitag im November zum "Black Friday" - dem "Schwarzen Freitag" (und aus urheberrechtlichen Gründen, werden wir auch weiter vom Schwarzen Freitag sprechen*). Vor den Geschäften erstrecken sich die Schlangen über mehrere Meter. Die Menschenmenge ist in Aufruhr, ihre Nasen kleben an den eisernen Rollos der Geschäfte. Und wenn sie langsam aufgezogen werden, quetschen sich die ersten Köpfe durch den Spalt, um das letzte Hindernis zu überwinden, das zwischen ihnen und den reduzierten Preisen steht. In Deutschland sind wir noch ewtas weiter von diesem Wahnsinn entfernt, aber die mehr oder weniger gerechtfertigten Angebote nehmen zu. Seit Tagen ist es schwierig, einen Schritt zu tun, ohne das Logo "Black ???" in einem Fenster zu sehen, oder den vielen Nachrichten zu entkommen, die Rabatte anpreisen, die wiederum alle unwiderstehlich sind. Und es steht außer Frage, das Datum in den wortwörtlichen "Schwarzen Freitag" zu übersetzen.

Woher kommt der "Schwarze Freitag"?

Die Versionen unterscheiden sich, aber die Hauptversion stammt aus den 1960er Jahren. Gegen Ende des Jahres wollen amerikanische Händler ihre Gewinne nochmals steigern und schwarze Zahlen schreiben. Was könnte besser funktionieren als der Tag nach Thanksgiving - einem Familienfeiertag, an dem die ganze Familie Teil nimmt - um Rabatte anzubieten und sie zum Kauf als Familie zu ermutigen? Der Schwarze Freitag ist geboren, "weil Händler zu dieser Jahreszeit viel verkauft haben", erklärt Jean-Eric Branaaa, ein Experte für den Konsum in den Vereinigten Staaten. Den Rest des Jahres war die Bilanz der Händler im roten Bereich. An diesem Freitag sind die Bilanzen aber wieder im positiven Bereich, und wenn es einen Überschuss gibt, schreibt man schwarze Zahlen - ein schwarzer Freitag also.  

Eine andere Version behauptet, dass "Schwarzer Freitag" von den riesigen Staus kommt, die durch Thanksgiving in der Stadt Philadelphia ausgelöst wurden. Man kann sich also seine eigene Geschichte basteln.

Was ist er heute?

Der Schwarze Freitag hält uns den Spiegel vor und ist "der sichtbarste Teil unserer Gesellschaft: Konsum und Verschwendung", so Jean-Eric Branaa. "Dies geht auf die 1960er Jahre zurück, den Aufstieg der Werbung usw., als die Menschen anfingen, alles zu kaufen. Die Amerikaner behaupten, es sei Teil ihrer DNA", so der Historiker. "Heute gibt es sogar Orte, an denen die verschiedenen Reduzierungen von Staat zu Staat verglichen werden können. Walmart zum Beispiel verkauft an diesem Tag alle 3 Sekunden einen Fernseher!" Und nach dem "Schwarzen Freitag" folgt "Cyber Monday", der Verkauf stark reduzierter Ware im Internet ab dem folgenden Montag. Gefühlt jeden Monat gibt es in den Vereinigten Staaten einen Verbrauchertag, der inzwischen importiert wurde: Valentinstag, St. Patrick's Day, Halloween, Black Firday, sind die wichtigsten.

Aber der "Schwarze Freitag" steht auch regelmäßig auf der Titelseite der Zeitungen. Jedes Jahr werden in der Eile Menschen verletzt und einige lassen sogar ihr Leben. An diesem Tag kommt es auch zu Schießereien und Morden - in den USA. Eine Website "Black Friday Death Count" listet in einer makabren Aufzählung die Anzahl der Opfer pro Jahr auf. 

"Schwarzer Freitag" in Europa

Der "Schwarze Freitag" wurde 2010 von Amazon erstmals nach Großbritannien importiert.

In Deutschland kam der "Schwarze Freitag" 2013 so richtig an. Und was hat sich durch das Phänomen geändert? Es war 2016, als der "Schwarze Freitag" mit den Variationen richtig loslegte. Aufgrund der geschützten Wortmarke "Black Friday" ließen sich die Händler allerhand einfallen: die Woche des "Schwarzen Freitags", wurde die "Black Week". Nachhaltige Labels zogen mit dem Green Friday nach. Für viele Händler bedeutete dieser Tag, einen Monat vor Weihnachten, den größten Teil ihres Jahresumsatzes zu erzielen. Allerdings regt sich auch Widerstand. Verbände protestieren gegen diesen Tag, wie der Verband Zéro Waste aus Frankreich. Sie starteten eine Petition "Schwarzer Freitag wird ohne mich sein", um das kommerzielle Treiben zu verurteilen, "weil wir an andere verantwortungsvollere Formen des Konsums glauben, die unsere Ressourcen schützen und die Produktion von Abfall vermeiden: Wiederverwendung, Reduzierung, Verleih, Recycling, etc." In einem Artikel spricht der Präsident des Envie Recyclage-Netzwerks, Anémone Berès, über "ein Verbraucherfieber, das für den Planeten unhaltbar geworden ist". Sie setzt sich für das Recycling zum Wohle unseres Planeten ein: "Eine generalüberholte Waschmaschine kann beispielsweise bis zu 60% weniger kosten als eine neue und hält durch eine Renovierung auch noch länger. "

Ein Verband hatte im Jahr 2016 einen Preisvergleich gemacht und kam zu folgendem Schluss: Die "Schwarzer Freitag"-Aktionen gaben den Kunden einen durchschnittlichen Rabatt von nur 2%.

Anderswo auf der Welt

In China gibt es einen "Schwarzen Freitag" namens "Singles Day", der jeden 11. November stattfindet. Der Name kommt von der Nachfolge der Zahl 1 im Datum: 11/11. Die 2009 von Chinas führendem Online-Händler Alibaba initiierte Aktion zog Millionen von Chinesen an, die ihre Einkäufe hauptsächlich über das Internet tätigten. In diesem Jahr erreichte der Umsatz mit fast 31 Milliarden Euro einen Rekordwert. Chinas wachsende Mittelschicht konsumiert immer mehr. Im Vergleich dazu beliefen sich die Verkäufe am amerikanischen Schwarzen Freitag im Jahr 2016 auf 3 Milliarden Dollar, und dies war auch ein Rekord auf amerikanischem Boden.

Das Konsumschauspiel

Was bedeutet "Schwarzer Freitag" für unsere Art des Konsums? Laut dem Soziologen Vincent Chabault  "zeigt diese Operation deutlich zwei Logiken: die Logik der Ökonomie und die Logik des Konsumspektakels". Er zitiert eine Studie zweier englischer Forscher, die im Journal of Consumer Culture veröffentlicht wurde. Sie versuchten, das Interesse an einer solchen Aktion zu verstehen, warum es zu einer gewissen Gewalt der Konsumenten kam. Sie interviewten mehrere Käufer und konnten ihre Motivation feststellen: Viele waren da, um an einer Show teilzunehmen, aber auch, um unter der Aufsicht der Medien an dem Spektakel teilzunehmen. "Videos auf YouTube, die die Anstürme während des Schwarzen Freitags zeigen, werden tausende Male gesehen", erklärt Vincent Chabault, "an einem Tag wie diesem teilzunehmen, bedeutet Risiken einzugehen.

Eine solche Szene gibt es in Deutschland noch nicht, auch wenn es einige Chaoten gibt. Wir haben noch ein anderes Verhältnis zum Konsum als die Amerikaner, auch wenn die soziale Logik gleich bleibt: akkumulieren, massenhaft konsumieren, die Anziehungskraft auf Objekte, die es uns erlaubt, uns dem anderen gegenüber zu erheben, zu existieren. Wir konsumieren, um unsere Identität aufzubauen.

 

* In Deutschland ist der Begriff "Black Friday" (noch) rechtlich als Markenname geschützt und darf nicht im Zusammenhang mit Werbung etc. genutzt werden. 13 Händler haben allerdings Anfang des Jahres 2018 erfolgreich dagegen geklagt und Recht bekommen - noch ist der Rechtsstreit allerdings nicht abgeschlossen, weshalb wir vorsichtshalber "Schwarzer Freitag" schreiben.

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