Überspringen
Was bedeutet Fair Fashion?

Was bedeutet Fair Fashion?

Hinter dem Glamour schöner Hochglanzbilder in Zeitschriften und Fashion Weeks auf der ganzen Welt verbirgt sich die Realität der globalen Modebranche - ein entsetzliches Porträt von Frauen, die in bitterer Armut leben und ums Überleben kämpfen, um die Anforderungen der High Street zu erfüllen.

Faire Mode. Öko-Mode. Ethische Mode. Nachhaltige Mode. Grüne Mode. Verantwortungsbewusste Mode. (oder eben auf Englisch: Fair Fashion. Eco-fashion. Ethical Fashion. Sustainable Fashion. Green Fashion. Responsible Fashion.) Wir sind von diesen Begriffen umgeben, und doch sind sie selten definiert. Als gewissenhafter Verbraucher, der sich für den Kauf ethischer Artikel entscheidet, definierst du selbst, was Nachhaltigkeit für dich bedeutet. Dieser Artikel dient als Leitfaden, der Dir helfen soll durch die Komplexitäten der Modebranche auf sozialer und menschlicher Ebene zu navigieren. Hinweis: Deine Entscheidungen, ob positiv oder negativ, haben einen direkten Einfluss auf diejenigen, die in den Lieferketten der Modebranche arbeiten.

1. Gesunde und sichere Arbeitsbedingungen

Für Verbraucher, die ethisch einkaufen wollen, müssen wir sicher stellen, dass die Menschenrechte der Hersteller der Kleidungsstücke gewahrt werden. Trotz internationaler Standards, staatlicher Gesetze zur Sicherung der Menschenrechte am Arbeitsplatz sehen sich die Näherinnen und Näher oft mit der Arbeit in extrem unsicheren Strukturen konfrontiert.

Die Katastrophe von Rana Plaza ist das extremste und tragischste Beispiel. Nach diesem Ereignis unterzeichneten über 200 Marken das Accord-Programm, in dem unter anderem grundlegende Sicherheitsrenovierungen als obligatorisch erklärt wurden. Trotz dieser Massenunterzeichnung wurden jedoch nicht die notwendigen Maßnahmen ergriffen und viele Gebäude haben die verbindlichen Anforderungen nicht erfüllt - viele der Gebäude haben noch immer keine grundlegenden Brandschutzmaßnahmen. (Kampagne für saubere Kleidung, 2015)

Während große Unternehmen die Sicherheitskontrollen und -anforderungen weiterhin nicht befolgen, müssen viele Arbeitnehmer mit tödlichen Unfällen rechnen, und Marken müssen ihre Verantwortung für die Sicherheit ihrer Gebäude und Arbeitnehmer stärker wahrnehmen.

2. Faire Bezahlung

Ein existenzsichernder Lohn ist ein Menschenrecht. Aufgrund der Problematik, dass es keine einheitliche Definition und Politik gibt, sind systemische Menschenrechtsverletzungen in der Beschäftigung von Millionen von Textilarbeitern auf der ganzen Welt gang und gäbe. Obwohl die Modebranche eine Milliarden-Dollar-Industrie ist, erhalten viele Arbeiter Löhne, die sie weiter in die Armut treiben - zum Beispiel in Bangladesch deckt der Mindestlohn nur 60% der Lebenshaltungskosten in einem Slum ab.

Die Berücksichtigung des Gender-Faktors wirft auch Licht auf das Leben vieler Frauen: lange Arbeitszeiten für wenig Geld, fehlende Unterstützung und die damit verbundenen extrem negativen und sozialen Probleme sehr arm zu sein. Der düstere Kreislauf der Armut in dieser Situation zwingt viele Arbeitnehmer zu überhöhten Überstunden - was riskant ist und die negativen gesundheitlichen Folgen verstärkt.

Darüber hinaus zeigt die Forschung, dass nur wenige Prozent der Endkosten für Kleidung den Lohn der Arbeiter ausmachen, der manchmal nur 0,5-3% beträgt (Clean Clothes Campaign, 2015). Der Kauf eines Kleidungsstücks sollte die Armut bekämpfen und nicht zusätzlich verschärfen. Frage bei Marken nach und verlange eine transparente Antwort.

3. Keine Zwangs- und Kinderarbeit

Die Tatsache, dass 36 Millionen Menschen in einer Art modernen Sklaverei leben, ist erschreckend (Global Slavery Index, 2014), und mehr noch, dass viele von ihnen in den Lieferketten von Mode- und Einzelhandelsmarken arbeiten.

In vielen Ländern (Indien, Indonesien und Vietnam, um nur einige zu nennen) besteht ein hohes Risiko von Zwangsarbeit, da die Vorschriften in dieser Hinsicht nur unzureichend umgesetzt werden. Obwohl Kinderarbeit in den meisten Ländern verboten ist und globale und nationale Initiativen zur Abschaffung der Kinderarbeit ergriffen wurden, sind fast 11% der weltweiten Kinder Kinderarbeiter.

In der Bekleidungsindustrie werden Kinder auf allen Stufen der Lieferkette ausgebeutet, was nicht nur ihre Bildung, sondern auch ihr soziales und moralisches Wohlbefinden beeinträchtigt. Kinderarbeit existiert und ist profitabel (und in vielen Fällen unsichtbar) aufgrund der großen Nachfrage nach billigen, ungelernten Arbeitskräften.

Faire Bezahlung spielt auch eine Rolle, da erwachsene Arbeitnehmer in ihren Familien Minderjährige mit einem so niedrigen Einkommen nicht unterstützen können, was die Kinder zwingt, in einem jungen Alter zu arbeiten. Es ist sehr leicht zu erkennen, wie dies den Kreislauf der Armut fortsetzt: Denn Kinderarbeit führt zu niedrigeren Bildungsquoten und höherer Arbeitslosigkeit und hält die Löhne auch in der Erwachsenenarbeit niedrig (SOMO, 2014).

Die Modebranche sollte die schwächsten und sprachlosesten Mitglieder der Gesellschaft nicht ausbeuten. Schau dir die Liste der Marken der Fair Wear Foundation an, die durch die Unterzeichnung eines Verhaltenskodex beweisen können, dass Kinderarbeit in ihrer Lieferkette nicht vorkommt.

4. Kulturerhaltung

In der Vergangenheit war die Bekleidungsindustrie ein wichtiges Instrument für Wandel und Entwicklung auf gemeinschaftlicher und internationaler Ebene. Folglich könnte eine gesunde Bekleidungsindustrie nicht nur die Arbeiter aus der Armut befreien, sondern auch alte Fähigkeiten bewahren.

In den Entwicklungsländern ist der Handwerkssektor der zweitgrößte, nach der Landwirtschaft. Techniken wie Weben, Sticken und Siebdrucken werden über Generationen hinweg weitergegeben. Viele Menschen in den Entwicklungsländern verlassen sich nur auf dieses Handwerk um zu überleben. Ohne die Stärkung und Förderung des Handwerks könnte ihre Zukunft, zusammen mit ihrer Sprache, Kultur und ihren Ritualen, sehr unsicher sein. Fair Fashion bewahrt uralte Fähigkeiten und stärkt indigene Gemeinschaften, die oft marginalisiert sind und keinen Zugang zum globalen Modemarkt haben.

Als Betreiber eines fairen Online-Marktplatzes entwickelt sich unser Ansatz, wie wir mit fairer Mode umgehen, weiter und verändert sich. Unsere Kernwerte ändern sich jedoch nie: Faire Mode bedeutet, dass wir in jeder Phase des Prozesses einen positiven Einfluss haben möchten und wie wir an die handwerkliche Unterstützung herangehen.
Was bedeutet Fair Fashion für dich und wie können wir zusammenarbeiten, um das Leben von Millionen von Frauen und Männern auf der ganzen Welt zu verbessern?

Bilder: Claudio Montesano Casillas © 2015

Nächster Artikel Der unverzichtbare Style-Guide zum Überleben bei heißem Wetter im Sommer

Hinterlasse einen Kommentar

Dein Kommentar muss erst noch bestätigt werden.

* Pflichtfelder