Warum Amerikaner ihre Nikes zerstören?

Warum Amerikaner ihre Nikes zerstören?

Was als stiller Protest gegen Polizeigewalt und Rassenungleichheit begann, brachte den amerikanischen Football-Spieler Colin Kaepernick an die Spitze der Bewegung "Black Lives Matter". Es kostete den ehemaligen Quarterback von San Francisco 49ers am Ende auch seinen Job...ein Ausgestoßener in der National Football League (NFL).

Zwei Jahre nachdem der 30-jährige Athlet während der Nationalhymne am Rande auf die Knie ging, ist er zu einer der umstrittensten Persönlichkeiten der USA geworden. Als agiler Quarterback mit rifle arm brachte Kaepernick die 49er 2012 in den Super Bowl und in der folgenden Saison zum Meisterschaftsspiel in der Konferenz seiner Mannschaft.

Als Quarterback der Zukunft, der Erbe anderer legendärer Quarterbacks wie Joe Montana und Steve Young, unterzeichnete er im Juni 2014 eine sechsjährige Vertragsverlängerung mit den 49ers, die ihm bis zu 126 Millionen US-Dollar einbrachte, mit garantierten 61 Millionen US-Dollar.

Der stille Protest

Er veranstaltete seinen ersten stillen Protest während des dritten Vorsaisonspiels der Mannschaft, saß auf der Bank und weigerte sich, sich seinen Teamkollegen während des traditionellen Spiels von "The Star-Spangled Banner" anzuschließen. "Ich werde nicht aufstehen, um Stolz auf eine Flagge eines Landes zu zeigen, das Schwarze und Farbige unterdrückt", sagte Kaepernick nach dem Spiel zu Reportern. "Für mich ist das größer als Football und es wäre egoistisch von meiner Seite, weg zu schauen."

Mit Bezug auf die jüngsten Morde an mehreren jungen schwarzen Männern durch Polizisten sagte Kaepernick: "Es gibt Leichen auf der Straße und Menschen, bekommen bezahlten Urlaub und kommen mit Mord davon".

Für das nächste Vorsaisonspiel wurde er von einem ehemaligen NFL-Spieler überredet, sich zu knien statt zu sitzen. Der kniende Protest wurde von mehreren anderen schwarzen Spielern angenommen und zog im September 2017 die Aufmerksamkeit von Präsident Donald Trump auf sich, der erklärte, dass NFL-Besitzer jeden "Hurensohn" feuern sollten, der nicht während der Hymne stand.

Die Proteste haben die NFL-Fans gespalten, einige behaupten, sie seien respektlos gegenüber Militärveteranen und der Flagge, andere fordern, dass die Liga die Spieler, die ihr Recht auf freie Meinungsäußerung ausüben, unterstützt.

Beschwerde gegen die NFL

Kaepernick bat die 49ers 2017 um einen Wechsel und konnte seitdem keinen Job in der NFL finden, weshalb er eine Beschwerde gegen die Teambesitzer einreichte, die er beschuldigt, zusammenzuarbeiten, um ihn aus der Liga herauszuhalten.

Diese Klage ist noch nicht abgeschlossen.

Seit seiner effektiven Verbannung durch die NFL hat Kepernick die Rolle des Bürgerrechtlers übernommen, wie es schon vor ihm der schwarze Baseballspieler Jackie Robinson und der Boxer Muhammad Ali getan hatten. Er hat Geld für Gruppen gespendet, die gegen Rassenungerechtigkeit kämpfen, und wurde 2018 von der globalen Menschenrechtsorganisation Amnesty International zum "Ambassador of Conscience" ernannt.

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Vom kleinen zum großen Colin

Kaepernick wurde am 3. November 1987 als Kind einer weißen Mutter und eines schwarzen Vaters geboren. Zur Adoption freigegeben, wurde er in Kalifornien von einem weißen Paar, Rick und Teresa Kaepernick, aufgezogen.

Ein herausragender Allround-Athlet - der 1,93 Meter große Kaepernick spielte neben Football in der High School auch Baseball und Basketball. Als Pitcher wurde er 2009 von den Chicago Cubs der Major League Baseball angeworben, entschied sich aber, die University of Nevada in Reno zu besuchen und dort College Football zu spielen.

Nach einer herausragenden College-Karriere wurde er von den San Francisco 49ers in der zweiten Runde des NFL-Drafts 2011 ausgewählt. Er war der 36. Spieler, der insgesamt ausgewählt wurde. Ein Backup in seinem ersten Jahr, übernahm Kaepernick die Rolle des Startquarterbacks im 10. Spiel der Saison 2012 und brachte sie in den Super Bowl, wo sie mit 34-31 gegen die Baltimore Ravens verloren.

Der Deal mit Nike

Kaepernick, der tief religiös ist und mehrere Tattoos von Bibelversen trägt, führte die 49ers im folgenden Jahr zum NFC-Konferenz-Meisterschaftsspiel 2013, wo sie gegen den späteren Super Bowl-Meister Seattle Seahawks verloren. Der Schuh- und Sportbekleidungsriese Nike hat Kaepernick am Montag, den 3. September, als Gesicht seiner neuen Werbekampagne zum 30-jährigen Jubiläum des legendären "Just Do It"-Slogans des Unternehmens präsentiert.

Die Nike-Kampagne, die nur wenige Tage vor dem Auftakt der NFL-Saison 2018 am Donnerstag vorgestellt wurde, zeigt ein Porträt von Kaepernick mit dem Slogan: "Believe in something. Even in if means sacrificing everything." "Wir glauben, dass Colin einer der inspirierendsten Athleten dieser Generation ist, der die Kraft des Sports genutzt hat, um die Welt voranzubringen", sagte Gino Fisanotti, Nikes Vice President of Brand in Nordamerika.

Die Kampagne hat bei einigen Fans eine Gegenreaktion ausgelöst, da ein #NikeBoycott Hashtag unter Amerikanern im Trend liegt. Sie zerstören ihre Nike-Artikel, schneiden den Swoosh aus ihren Schuhen und fühlen sich in ihrem patriotischen Herz von Nike hintergangen. Auch US-Präsident Donald Trump äußerte sich wenig begeistert über Nikes Entscheidung: "What was Nike thinking?" Andere unterstützen des Unternehmens in ihrer Entscheidung und supporten den geächteten Quarterback.

Es könnte besser laufen

Kaepernick ist eine umstrittene Figur, dessen Protest während der amerikanischen Nationalhymne als Angriff auf das Militär missverstanden wurde. Sein anschließendes Schweigen war bei der Klärung nicht hilfreich. Genau so wenig wie seine Socken, die Polizisten als Schweine darstellen, oder sein T-Shirt mit Fidel Castro darauf.

Wenn jemand seine Wut bündeln und ein paar Schuhe in seinem Hinterhof verbrennen will, ist das sein gutes Recht - schaden tut er dabei primär seinem Geldbeutel. Und an die Arbeiter im Nike-Werk denkt in diesem Moment auch niemand.

Ich bin mir ziemlich sicher, dass Nike wusste, dass die Entscheidung, Kaepernick in seiner Kampagne zu präsentieren, Boykottaufrufe und vielleicht sogar Vorwürfe von Aktionären hervorrufen würde. Aber ich wundere mich, wie die Leute, die glauben, dass Mitglieder des Militärs mehr Respekt von der Bekleidungsfirma verdient hätten, gleichzeitig die gut dokumentierten Aussetzer von Präsident Trump schlucken - die weit mehr disrespect erzeugen.

Es gibt einen Teil dieser Wut auf Nike, der mehr auf den Akteuren als auf den Prinzipien zu basieren scheint. Es erinnert mich an die Art und Weise, wie einige Katholiken ungeborene Kinder sehr schützen, aber die Augen vor den Pädophilen in der Kirche verschließen, die junge Gemeindemitglieder systematisch missbrauchen. Also, diejenigen, die Bilder von gefallenen Soldaten unter dem Deckmantel der Achtung vor dem Militär verwenden, sollten wahrscheinlich eine Überprüfung ihrer Loyalität durchführen, nur um sicherzustellen, dass ihre Argumentation stimmt.

Nichtsdestotrotz macht Nike mit seiner Kampagne einen auf Menschenrechtler und bringt diese Rechte nur schleppend in seinen Werken voran oder setzt noch nicht auf faire Bedingungen, weniger Chemikalien oder nachhaltige Produktion zur Verbesserung der Luft- und Wasserqualität vor Ort.

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